Monatsbeitrag Juli

VonPeter UU

Monatsbeitrag Juli

Worte im Juli

Von Peter W. Köhne

„Achte auf Deine Worte, dann weißt Du, was Du denkst und weißt, warum Du so handelst, wie Du es tust.“  Diese Empfehlung gab uns der deutsche Philosoph Hans Endres mit auf den Weg. In wieweit sind wir uns der Worte bewusst, die wir aussprechen?

Ich sollte eigentlich … dies sind Worte, bei denen die Taten fehlen. Allein das Wort „eigentlich“ macht jeden Satz zunichte, denn es schränkt das Gesagte sofort ein. Eigentlich lässt eigentlich schon keine Taten mehr zu. Oft folgt auf eine Aussage die Floskel „sag ich mal“. Was soll das sein? Eine Entschuldigung für das vorher Gesagte? Entweder jemand steht zu seiner Aussage oder lässt es besser ganz.

Die deutsche Sprache ist sehr ausdrucksstark, stärker als die englische, zumal die deutsche Sprache wesentlich mehr Worte kennt. Sezieren wir unsere Sprache ein wenig. In meiner Coachingarbeit darf sich kein Klient bei mir entschuldigen. Warum? Weil ich seine Schuld nicht haben will, der er sich entledigen will. Wenn er stattdessen sagt, dass es ihm Leid tut, bleibt das Leid bei ihm, wo es hingehört.

Was ist, wenn sich jemand verliebt? Liebt er dann aus seiner herzlichen inneren Tiefe? Wohl selten. Sicher sind die Schmetterlinge im Bauch ein schönes Gefühl, nur die tiefe Liebe ist das nicht. Es ist eher ein vergebliches Lieben, meist ist diese „Liebe“ nach ca. eineinhalb Jahren schon vorbei, wenn sie nicht in die wahre innere Liebe übergeht. Allein die Vorsilbe ver erfüllt dabei ihre Aufgabe. Wie heißt es in dem Film Matrix? „Hör auf, es zu versuchen, tu es!“

Wie oft wird jemandem vorgeworfen, er höre nicht zu. Doch, er tut es! Er verschließt seine Ohren und denkt an etwas anderes. Besser wäre es achtsam beim Anderen zu sein und hinzuhören. In meiner Coachingarbeit analysiere ich auch die Rückwärtssprache, d.h. ich nehme einen Klienten auf Band auf und spiele es rückwärts wieder ab. Ich bin immer wieder überrascht, wie unser Unbewusstsein es schafft, unsere Sprache so zu steuern, dass rückwärts abgespielt Hintergründe genannt werden, die die betreffende Person anders nicht sagen würde, sich sogar dessen selbst nicht bewusst ist. Ein Beispiel, ich hatte mir eine CD eines Schlagersängers gekauft, der mir nicht sympathisch ist. Beim rückwärts abspielen hörte ich im Refrain immer wieder „Ihr Idioten“, da war mir alles klar. Was auch oft unterschätzt, sogar belächelt wird, dass es neben der verbalen und nonverbalen Kommunikation auch noch eine transverbale Kommunikation gibt, über die unbewusst Inhalte vermittelt werden.

Kommen wir aber wieder zur Tat. Was tun wir, wenn wir etwas wahrgenommen haben? Nichts? Normalerweise gehört Geben und Nehmen zusammen. Und? Das Wort „wahrgeben“ gibt es allerdings im Deutschen nicht (vergl. Duden). Es wäre aber wichtig, etwas wahrzugeben, sozusagen ein Feedback (neuhochdeutsch), denn dann wüsste jeder, was von dem Gesagten tatsächlich beim Anderen angekommen ist.

Das Thema ist unerschöpflich. Wir sollten daher mehr auf unsere „Worthygiene“ achten, das würde mehr Verständnis und eine harmonischere Kommunikation mit sich bringen. Unser Motto müsste daher in diesem Monat heißen:

„Ich betreibe mehr Worthygiene und achte besonders auf das, was ich sage.“

Mit den Monatsbetrachtungen wollen wir helfen, für jeden Monat einen wichtigen Aspekt des Lebens aufzuzeigen und zur Umsetzung anzubieten, in diesem Monat Juli mit der Frage, wie wir mehr auf das achten, was wir sagen aber wirklich meinen.

Ideal zur Meditation geeignet, um die Tiefe dieser Aussage zu erkennen und in den eigenen Alltag zu integrieren!

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Peter UU administrator